Montag, Februar 23, 2026

Veteranen des Ersten Weltkriegs in Berlin

Im 20. Jahrhundert war Deutschland Initiator und Teilnehmer an zwei Weltkriegen. Beide Kriege forderten Hunderttausende Tote und Verletzte. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Deutschland 0,5 bis 1,5 Millionen Kriegsversehrte, nach dem Zweiten Weltkrieg sogar über 1,5 Millionen Menschen, die Gliedmaßen verloren hatten oder nicht mehr wie zuvor für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten. Dieser Artikel beleuchtet, wie der Erste Weltkrieg das Leben der Berliner Bürger beeinflusste und zu erheblichen körperlichen Schäden in der Bevölkerung führte. Mehr dazu lesen Sie auf berlinyes.eu.

Wer waren die Kriegsveteranen?

Laut spiegel.de waren die Veteranen des Ersten Weltkriegs komplexe Persönlichkeiten. Sie waren jedoch vor allem Soldaten, die von den Schlachtfeldern der großen Kriege heimkehrten. In den 1920er Jahren bildeten sie keine zersplitterte Gruppe, die aus den Annalen der Weimarer Republik verschwand, noch waren sie eine Horde gewaltbereiter Männer. Wie sahen sie aus, und wie versuchten sie, ihr Leben fortzusetzen?

Kriegsende und Rückkehr der Veteranen

Ab Ende 1918 erschienen viele Kriegsveteranen in Städten wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München. Die Soldaten kehrten als Besiegte zurück und fühlten sich von Juden, Generälen und Verbündeten verraten. Der deutsche Kaiser, einst Symbol der Nation, war in die Niederlande geflohen. Das Land musste demilitarisiert werden, verlor Gebiete und war zu demütigenden Reparationen verpflichtet.

Zusammen mit denen, die sich selbstständig fortbewegen konnten, kehrten fast 1,5 Millionen „Kriegsversehrte“ zurück. Sie waren physisch und psychisch gezeichnet. Obwohl der Krieg für sie vorbei war und sie lebend heimkehrten, wurde nicht jeder mit offenen Armen empfangen. Während einige Veteranen mit Musik und Blumen begrüßt wurden, konnten andere nur auf festlich geschmückten Wagen transportiert werden. Insgesamt kamen 6 Millionen Soldaten und 800.000 Kriegsgefangene zurück, um in einem Land zu leben, das durch Revolutionen, Putsche und Hunger gezeichnet war.

Das Erscheinungsbild der Veteranen in Berlin

Die Veteranen – oft als „Kriegsinvaliden“ oder „Kriegsversehrte“ bezeichnet – litten unter amputierten Gliedmaßen, Gesichtsverletzungen, Schädel-Hirn-Traumata sowie Hör- und Sehbehinderungen. Der österreichisch-ukrainisch-jüdische Schriftsteller und Journalist Joseph Roth beschrieb, wie schockierend diese Anblicke waren: „Kinnpartien fehlten, Nasen hingen herunter, Lippen waren weg.“ Solche Anblicke lösten bei Passanten oft Mitleid, aber auch Ekel aus.

Manche Veteranen wurden sogar mit Verachtung empfangen. Der österreichische Psychoanalytiker Fritz Wittels schrieb über diese Menschen: „Warum bist du nicht tot?“ Seiner Meinung nach galten die Toten als Helden, während die Überlebenden nur die dunkle Seite des Krieges und das Elend danach verkörperten.

Medizinische und soziale Hilfe für Veteranen

Ärzte und Bildhauer halfen einigen Veteranen. Die amerikanische Bildhauerin Anna Coleman Ladd entwickelte in Frankreich individuelle Masken, um entstellte Gesichter zu verbergen. Eine ähnliche Praxis gab es auch in Berlin. Neben Prothesenherstellern wie der Berliner Orthopädische Industrie GmbH gab es Schulen wie die Gehschule in Bad Pyrmont, die Veteranen das Laufen mit Prothesen beibrachten.

Der Berliner Orthopäde Konrad Biesalski setzte sich für den „Reichsversorgungsgesetz“ von 1920 ein, der soziale Unterstützung für Veteranen vorsah. Zudem engagierten sich Organisationen wie die Deutsche Vereinigung für Sport von Menschen mit Behinderung, um Veteranen durch Bewegungstherapie zu helfen.

Psychische Traumata der Kriegsveteranen

Neben körperlichen Verletzungen litten viele Veteranen unter psychischen Störungen, die als „Kriegsneurose“ oder „Kriegszitterer“ bekannt wurden. Der Berliner Neurologe Hermann Oppenheimer erklärte, dass diese Störungen durch Veränderungen im Gehirn und Nervensystem infolge von Kriegserfahrungen ausgelöst wurden.

Medien und öffentliche Wahrnehmung

Einige Zeitungen, wie eine Berliner Tageszeitung vom 1. Januar 1919, verabschiedeten sich poetisch vom Krieg: „Es gab kaum genug Särge für die Toten.“ Andere, wie der Journalist Karl Wetter, wurden durch die Grauen des Krieges zu Pazifisten.

Fazit

Der Erste Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren in Berlin. Veteranen waren nicht nur eine Erinnerung an den Krieg, sondern auch ein Symbol für die Herausforderungen des Nachkriegslebens. Dank medizinischer, technischer und sozialer Innovationen konnten viele ihr Leben verbessern, doch die gesellschaftliche Integration blieb eine der größten Herausforderungen.

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