„Krieg ist Männersache.“ So hieß es über Jahrhunderte hinweg von denen, die glaubten, dass Frauen sich nur mit Haushalt und Kindererziehung beschäftigen könnten. Doch die Moderne des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigte, dass dem nicht so ist, und die globalen Entwicklungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und des frühen 21. Jahrhunderts verbreiteten diese Erkenntnis weltweit. Ein Ereignis, das die Rolle der Frauen in allen Lebensbereichen stärkte, war der Erste Weltkrieg und das folgende Jahrzehnt. Mehr über die Rolle der Frauen in Berlin während des Krieges und danach erfahren Sie auf berlinyes.eu.
Einstellung von Frauen und Männern zum Krieg
Wie die Plattform studysmarter.de feststellt, spielten Frauen im Krieg eine wichtige Rolle. Der Erste Weltkrieg, der am 1. August 1914 begann, bestätigte dies. Die Teilnehmer – Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland, Frankreich und Großbritannien – strebten danach, in kurzer Zeit ihre Ziele zu erreichen. Neben den Männern kämpften auch Frauen, wenn auch auf andere Weise. Der Schriftsteller Stefan Zweig schrieb am 6. August, dass die männlichen Soldaten entschlossen, aber nicht überheblich waren und so schnell wie möglich in den Kampf ziehen wollten. Frauen, die in weißen Kleidern gekleidet waren, lächelten verführerisch und schienen die Ernsthaftigkeit der Situation nicht zu begreifen. Doch schon in den ersten Kriegsmonaten wurde diese Haltung widerlegt. Der Krieg beeinflusste das Leben aller, mobilisierte sämtliche Ressourcen der Länder und stellte Frauen und Männer gleich in den Dienst des Krieges.

Tätigkeiten der Frauen in Berlin während des Krieges
Frauen engagierten sich in Bereichen, in denen sie Bedürftigen halfen und sich um Kleinkinder kümmerten. Sie verteilten Essen in öffentlichen Speisesälen und „Wärmestuben“, kümmerten sich um Kinder und Jugendliche. Außerdem war die Arbeit von Frauen als Krankenschwestern in mobilen und stationären Feldlazaretten von großer Bedeutung. Diese Tätigkeiten wurden als „typisch weiblich“ angesehen – oft mühsam, gefährlich und anstrengend, doch sie wurden nicht als gleichwertig mit dem Heldenmut der Frontsoldaten betrachtet. Offiziell gab es damals keine Frauen im Militärdienst. Inoffiziell arbeiteten Frauen als Spioninnen, Näherinnen oder Telefonistinnen, kochten oder wuschen Wäsche. Ihre Arbeit wurde von gemeinnützigen Organisationen organisiert, nicht vom Staat, und sie wurden als „Hilfskräfte“ bezeichnet. Diese Hilfskräfte nutzte die offizielle Propaganda, um Männer, die sich der Mobilisierung widersetzten, zu beschämen.

Mit dem Fortschreiten des Krieges und der Erschöpfung staatlicher Ressourcen wurden Frauen immer wichtiger. Sie drangen allmählich in traditionell männliche Bereiche vor – Fabriken, Büros, Verwaltungsstellen. So waren Frauen häufig als Briefträgerinnen tätig oder lenkten Lastwagen.
Frauen waren auch in der Rüstungsindustrie zahlreich vertreten, arbeiteten an Förderbändern und Maschinen. Oft waren die Arbeitsbedingungen gefährlich, insbesondere in Fabriken, die Waffen und Munition herstellten. Im Februar 1917 explodierte in Quickenborn eine gesamte Fabrik, wobei 120 Frauen starben und 150 verletzt wurden. Viele Frauen nähten Uniformen für Soldaten in Deutschland.
Auf dem Land rund um Berlin arbeiteten Frauen häufig in der Landwirtschaft: Sie bestellten Felder, ernteten und engagierten dabei junge Arbeitskräfte oder Kinder zur Unterstützung.
Die Berliner Künstlerin Käthe Kollwitz nannte 1916 eines ihrer Werke „Kriegsbild“. Es zeigt eine Mutter mit Kindern, Frauen als Schaffnerinnen, Schornsteinfegerinnen, Bäuerinnen am Pflug und Briefträgerinnen – Tätigkeiten, die Frauen vor dem Krieg nicht ausübten, die ihnen jedoch während des Krieges offenstanden.

Ungleichheit bei der Arbeit
Frauen in Berlin (und ganz Deutschland) erhielten oft nur 50 % des Lohns, den Männer für dieselbe Arbeit bekamen. Während des Krieges mussten Frauen lange arbeiten, die Sonntagsruhe wurde abgeschafft, und es gab Nachtschichten. Oft wurden sie ohne spezielle Ausbildung oder Sicherheitseinweisungen eingestellt, was ihre Karrieremöglichkeiten einschränkte.

Die Auswirkungen der Arbeit auf Frauen
Karl Retzlaw, ein Schleifer in einer Berliner Kabelfabrik, erzählte, dass es während der Nachtschichten häufig zu Zwischenfällen kam. Frauen brachen vor Erschöpfung, Hunger und Krankheit zusammen. Auch Konflikte in Kantinen waren häufig, da unzureichende Essensportionen verteilt wurden.

Unterstützung der Frauen für Soldaten und Zivilisten
Während des Krieges entstanden zahlreiche Wohltätigkeitsorganisationen. Die Mitglieder des „Vaterländischen Frauenvereins“ halfen bedürftigen Frauen, die Mütter geworden waren. Der Staat führte ab 1914 wöchentliche Zahlungen für Soldatenfrauen ein, die auch ledigen Berlinerinnen zugutekamen.
Frauen schickten Briefe und Pakete an Soldaten, die oft „Liebesgaben“ genannt wurden. Diese enthielten je nach Vermögen der Familie Trockenfrüchte, Lebensmittel, Bücher, Tabak, Seife, Wäsche oder Feuerzeuge.

Nachwirkungen der russischen Revolution von 1917
Die Februarrevolution in Russland 1917 verbreitete sich auch in Deutschland. In Berlin diskutierten Frauen in Warteschlangen über das Ereignis. Später, als der Krieg weiterging, kam es zu Protesten. Im Januar 1918 traten in Berlin Tausende Arbeiter in der Rüstungsindustrie, darunter auch Frauen, in den Streik.
Veränderung der Frauenrechte nach dem Krieg
Nach Kriegsende erhielten Frauen 1918 das Wahlrecht in Deutschland. Doch Arbeitgeber und Gewerkschaften wollten, dass Frauen ihre Arbeitsplätze räumten, um Platz für zurückkehrende Männer zu schaffen. Dennoch blieb die Tendenz zur Emanzipation erhalten.