Mitten im Kalten Krieg, im Jahr 1966, verhinderten zwei sowjetische Piloten eine Katastrophe, indem sie ihr Flugzeug über einem Wohngebiet in West-Berlin nicht abstürzen ließen. Stattdessen steuerten sie es in einen See und bezahlten mit ihrem Leben. Mehr über diesen tragischen Vorfall erfahren Sie auf berlinyes.eu.
Die Schallmauer

Am 6. April 1966, einem Mittwoch, war der Himmel über Berlin bewölkt. In der Vorosterzeit bemalten Kinder gerade Eier. Die Berliner Mauer teilte die Stadt bereits seit fast fünf Jahren. Sowjetische Düsenjets flogen regelmäßig über West-Berlin und durchbrachen dabei die Schallmauer, was Fensterscheiben zum Zerspringen brachte.
Viele Deutsche betrachteten dies als bewussten Terror, als Teil des Kalten Krieges. Einer der Piloten dieser sowjetischen Düsenjets war Hauptmann Boris Kapustin, der mit streng geheimen Technologien ausgestattet war. Am 6. April 1966 startete er zusammen mit seinem Co-Piloten, Oberleutnant Juri Janow, in einem brandneuen Jak-28.
Die Jak-28 war ein Düsenflugzeug, das Geschwindigkeiten von bis zu 1100 Kilometern pro Stunde erreichen und sogar nukleare Waffen transportieren konnte. An diesem Tag sollten die Piloten das Flugzeug jedoch nach Köthen südwestlich von Berlin überführen.
Tod der Piloten – Rettung der Stadt

Kurz nach dem Start versagten die Triebwerke der Jak-28. Was danach geschah, ist unklar. Wahrscheinlich wurde den Piloten befohlen, sich mit dem Schleudersitz zu retten, was jedoch dazu geführt hätte, dass das Flugzeug in ein Wohngebiet gestürzt wäre.
Das Flugzeug befand sich bereits über Berlin und flog so niedrig, dass es ohne Piloten höchstwahrscheinlich in ein Wohngebiet eingeschlagen wäre. Augenzeugen berichteten später, dass das Flugzeug mehrfach über das Gebiet flog und an Höhe verlor, was als Zeichen dafür gewertet wurde, dass die Piloten absichtlich das Flugzeug kontrolliert abstürzen ließen. Schließlich stürzte die Jak-28 mit Kapustin und Janow an Bord in den nahegelegenen See Stößensee im britischen Sektor von Berlin.
Rettungsaktionen und Tragödie

Ein amerikanischer Hubschrauber, eine französische Feuerwehr sowie Einsatzfahrzeuge der Berliner Feuerwehr eilten zum Unglücksort. Zwei Feuerwehrmänner versuchten, zum Wrack vorzudringen, doch der Rumpf steckte tief im Schlamm.
Wladimir Kapustin, der Sohn des Piloten Boris Kapustin, lebte damals in Moskau und erfuhr von der Tragödie durch einen Mitschüler. Zu diesem Zeitpunkt war Wladimir erst in der ersten Klasse. Galina Andrejewna Kapustina, die Witwe des Piloten, lebte in Rostow am Don. Die Witwe des zweiten Piloten, Juri Janow, verstarb früh.
Die Jak-28 als Geschenk für die Alliierten
Der damalige Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt, vermutete, dass die Piloten in den letzten Sekunden erkannten, dass ein Absturz in ein Wohngebiet eine Katastrophe bedeuten würde. Daher hätten sie sich entschieden, das Flugzeug in den Stößensee zu steuern, obwohl dies ihren Tod bedeutete.
Für die westlichen Alliierten war der Absturz der Jak-28 ein glücklicher Zufall, denn sie konnten so streng geheime sowjetische Technologie untersuchen. Am Abend, etwa zweieinhalb Stunden nach der Katastrophe, trafen vier sowjetische Offiziere ein und forderten die Rückgabe der Wrackteile. Die Briten verweigerten ihnen den Zutritt. Die Leichen der Piloten wurden jedoch in der Nacht, zwei Tage später, übergeben.