Mittwoch, Juni 24, 2026

Adolf Wermuth – Bürgermeister von Berlin in den stürmischen Jahren des Krieges und sozialer Umbrüche

Anfang 1912 wurde Berlin endgültig mit Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Lichtenberg, Neukölln und Spandau sowie den Bezirken Niederbarnim und Teltow vereint, um den Zweckverband Groß-Berlin zu bilden. Die Zuständigkeiten des Zweckverbands beschränkten sich jedoch auf Verkehrszonen, Baugebiete und Erholungsgebiete. Die große regionale Reform erfolgte erst nach dem Krieg, der Revolution und der Gründung der ersten deutschen Republik. Mehr über die Rolle des Bürgermeisters von Berlin in diesen bewegten Zeiten erfahren Sie auf berlinyes.eu.

Der Beginn der Karriere

Zu dieser Zeit hatte Adolf Wermuth das Amt des Bürgermeisters inne. Er war ein politisch unabhängiger Berufsdiplomat, der Berlin durch die stürmischen Jahre des Krieges und anderer sozialer Umbrüche führte. Adolf Wermuth wurde am 23. März 1855 in Hannover geboren. Er wuchs in einer bürgerlichen Familie mit monarchistischen Ansichten auf. Sein Vater war der Polizeipräsident Karl Wermuth. Nach dem Abschluss des Andreanums-Gymnasiums in Hildesheim begann er ein Jurastudium an den Universitäten Leipzig, Heidelberg und Göttingen, das er mit dem Staatsexamen und der Promotion abschloss. Anschließend trat Adolf Wermuth in den preußischen Staatsdienst ein, zunächst als Kreisrichter in Peine und später in Oppeln. 1883 wechselte er ins Reichsinnenministerium. Dort war er an der Gründung des Reichswetterdienstes beteiligt und amtierte nach dem Helgoland-Sansibar-Vertrag 1890–1891 als vorläufiger Verwalter der Insel Helgoland.

Arbeit in der Reichsregierung

Zudem leitete er als Reichskommissar die deutschen Beiträge zu den Weltausstellungen in Melbourne und Chicago. Adolf Wermuth betreute die Melbourne Centennial Exhibition und die World’s Columbian Exposition in Chicago. 1908 wurde er zum Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat ernannt. Vor seiner Ernennung zum Bürgermeister von Berlin hatte Wermuth hohe Staatsämter auf Reichsebene inne. Unter anderem war er ab 1904 Stellvertreter des Finanzministers und wurde am 14. Juli 1909 Staatssekretär des Reichsschatzamts im Kabinett des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg. Nachdem seine Forderung nach einer Erhöhung der Erbschaftssteuer vom Reichskanzler abgelehnt wurde, kündigte er im März 1912 seinen Rücktritt an und legte am nächsten Tag sein Amt in der Reichsregierung nieder.

Das Goldene Buch der Stadt

Unmittelbar nach seinem Amtsantritt in Berlin am 1. September 1912 war Wermuth gezwungen, Fleisch im Wert von rund zwölf Millionen Reichsmark zu beschaffen, um es der Bevölkerung zu Selbstkostenpreisen zu verkaufen, da die Versorgungslage angespannt war. Während des Krieges wurde die Zwangswirtschaft für Lebensmittel ausgebaut. Bereits 1913 wurde auf Initiative von Wermuth das Berliner Stadtarchiv gegründet und das noch heute existierende Goldene Buch der Stadt eingeführt.

Am 23. Februar 1919 wurde die neue Stadtverordnetenversammlung Berlins erstmals gemäß allgemeinem und gleichem Wahlrecht von Männern und Frauen gewählt. Ein Jahr später war es schließlich soweit: Am 27. April 1920 verabschiedete die Verfassunggebende Preußische Landesversammlung das Gesetz zur Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin, die aus dem „alten Berlin“ sowie sieben weiteren Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken bestand und in 20 Bezirke unterteilt wurde. Die Einwohnerzahl betrug 3,8 Millionen, die Fläche überstieg 880 Quadratkilometer. Die ersten Wahlen nach der Gebietsreform fanden am 20. Juni 1920 statt, mussten jedoch wegen Verfahrensfehlern wiederholt werden. Als die Sozialdemokraten und die SPD die Mehrheit im Rathaus verloren, trat Adolf Wermuth im November 1920 zurück. Er starb am 11. Oktober 1927 in Berlin.

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