Herbert Ernst Frahm, der erste sozialdemokratische Bundeskanzler, Kämpfer gegen das NS-Regime und langjähriger Vorsitzender der SPD. 1931 trat Frahm der Sozialistischen Arbeiterpartei bei. Im März 1933 war er unter dem Pseudonym Willy Brandt Delegierter auf der illegalen Parteikonferenz der SAP in Dresden. Mehr über seine Biografie lesen Sie auf berlinyes.eu.
Der Beginn der politischen Karriere

Willy Brandt wurde am 18. Dezember 1913 in Lübeck als Herbert Ernst Karl Frahm geboren. Er war der erste von der SPD ernannte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und führte die Regierung als Vorsitzender der Koalition aus SPD und FDP von 1969 bis 1974.
Brandt begann früh mit der Politik: Er war während der Weimarer Republik Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend, trat mit 16 Jahren der SPD bei und veröffentlichte regelmäßig politische Texte. Angesichts der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten ging Brandt 1934 nach Norwegen, um von dort aus Widerstand gegen das NS-Regime zu organisieren.
In der Nachkriegszeit begann Brandts politische Karriere 1948 in Deutschland. Er wurde Vertreter der SPD-Parteikommission. Von 1949 bis 1957 war er Mitglied des Bundestags, von 1957 bis 1966 Regierender Bürgermeister von Berlin und von 1964 bis 1987 Vorsitzender der SPD. Zwischen 1966 und 1969 war Brandt Außenminister der Großen Koalition, bevor er 1969 schließlich Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wurde.
Friedensnobelpreis

1971 erhielt Willy Brandt den Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik. Diese zeichnete sich durch die sogenannten Ostverträge und damit verbundene Kompromisse mit der Sowjetunion sowie den osteuropäischen Staaten wie Polen und der DDR aus. Für viele Menschen ist Brandts Kanzlerschaft bis heute mit der Erweiterung demokratischer Bürgerrechte verbunden. Sein berühmter Satz: „Mehr Demokratie wagen“, den er 1969 in seiner Regierungserklärung verwendete, und sein Kniefall am Denkmal des Warschauer Ghettos 1970 sind tief im kollektiven Gedächtnis verankert.
Kurz vor der Unterzeichnung des bilateralen Warschauer Vertrags, der unter anderem die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens anerkannte, kniete Brandt vor dem Denkmal nieder und legte einen Kranz nieder. Dieser symbolische Akt des Gedenkens und der Demut löste in Deutschland zunächst Kontroversen aus. Einer Umfrage des Spiegels zufolge lehnten 48 Prozent der Befragten diesen Akt ab, während 41 Prozent ihn unterstützten. Doch dieser symbolische Akt wird heute als bedeutender Schritt hin zu einer transnationalen Erinnerungskultur gesehen.
Wandel durch Annäherung

In Zeiten des Kalten Krieges und der drohenden nuklearen Auseinandersetzung leitete Willy Brandt mit seiner „neuen Ostpolitik“ einen Paradigmenwechsel in der deutschen Außenpolitik ein. Schon in den 1950er Jahren, als er noch Bundestagsabgeordneter und Bürgermeister von West-Berlin war, plädierte Brandt für eine Entspannungspolitik.
Brandt erkannte, dass eine friedliche Koexistenz zwischen den westlichen NATO-Staaten und dem östlichen Bündnis unter der Führung der Sowjetunion notwendig war, um langfristig die kommunistische Vorherrschaft in Osteuropa zu überwinden. Als Bürgermeister von West-Berlin erlebte er den Mauerbau hautnah und erkannte, dass die deutsche Politik von der Idee einer schnellen Wiedervereinigung Abstand nehmen musste. Stattdessen mussten Berlin und die Grenzen zunächst geöffnet werden. Veränderungen sollten durch Annäherung erreicht werden.
Brandt machte kleine, aber bedeutende Schritte, wie die ersten Verhandlungen mit der DDR-Regierung, die zu einem Passierscheinabkommen führten. Dieses ermöglichte Hunderttausenden Bürgern West-Berlins, ihre Familien im Osten zu Weihnachten zu besuchen. Das Leben von Millionen Deutschen veränderte sich durch neue Reise- und Besuchsregelungen zwischen den deutschen Gebieten.