Montag, Februar 23, 2026

Die Berliner Zelle der „Roten Kapelle“

Im Jahr 1942 wurden deutsche Widerstandskämpfer hingerichtet, deren Namen heute fest in die Geschichte eingeschrieben sind. Arvid Harnack, Harro Schulze-Boysen und ihre Ehefrauen Mildred und Libertas gehörten zu den mutigsten Gegnern des NS-Regimes. Sie standen an der Spitze eines weit verzweigten Spionagenetzwerks, das vom NS-Geheimdienst unter dem Decknamen „Rote Kapelle“ geführt wurde. Mehr auf berlinyes.eu.

Wie die Agenten arbeiteten

Das Netzwerk war während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und dem nationalsozialistischen Deutschland aktiv. Die Mitglieder entschieden sich für einen hochgefährlichen Weg: Sie kämpften im Untergrund gegen den Nationalsozialismus. Ihre Spionagearbeit war eng mit der Sowjetunion verknüpft. Das gemeinsame Ziel: den Sturz Hitlers und ein Ende des Krieges.

Die Berliner Zelle wurde von Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen geleitet. Obwohl die Gestapo alles daransetzte, die Gruppe auszuschalten, entpuppte sich die „Rote Kapelle“ als weitaus größer und besser organisiert, als man angenommen hatte.

Erst nach dem Krieg offenbarte der gefangene Gestapo-Offizier Friedrich Panzinger, wie es zur Bezeichnung „Rote Kapelle“ kam. Bei Verhören in der Lubjanka in Moskau erzählte er, dass SS-Funkexperten verschlüsselte Nachrichten abgefangen hatten. Im Geheimdienstjargon wurden Sender als „Klaviere“ und Funker als „Musiker“ bezeichnet. Ein Netzwerk wurde so zum „Orchester“ – zur „Kapelle“. Und da es mit sowjetischen Kommunisten kooperierte, nannte man es die „Rote Kapelle“.

Später wurde dieser Begriff auch für alle Nazi-Aktionen gegen europäische Spione im Dienst der UdSSR verwendet.

Die Nazis gegen die „Rote Kapelle“

Die Struktur der Organisation war komplex. Antifaschisten verschiedenster Herkunft gehörten dazu – darunter Mitglieder des militärischen Nachrichtendienstes und Agenten des sowjetischen NKWD.

Im Winter 1941 begannen erste Festnahmen und Enttarnungen. Doch trotz intensiver Repressionen konnte das Netzwerk weiterhin operieren. Die Sowjetunion schwieg lange über ihre Kontakte zur Berliner Gruppe – erst 1969 wurden zahlreiche Mitglieder, meist posthum, offiziell ausgezeichnet.

Durch die Arbeit der „Roten Kapelle“ verlor das Dritte Reich über 200.000 Soldaten – ein beachtlicher Schlag gegen die Wehrmacht.

Der Widerstand von Harnack und Schulze-Boysen

Wer waren die Köpfe der Berliner Gruppe? Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen arbeiteten seit 1939 eng zusammen. Harnack war mit einer Amerikanerin verheiratet, Jurist und Ökonom. Schulze-Boysen war Offizier der Luftwaffe – aber ein überzeugter Gegner des Regimes. Der Militärposten diente ihm zur Tarnung.

Im Widerstand vereinten sich politische Konservative, Juden, Katholiken, Kommunisten und Atheisten – alle, die Hitlers Regime verabscheuten. Die jüngsten Mitglieder der Gruppe waren 16, das älteste 86 Jahre alt. Die Berliner Zelle hatte jedoch keinen direkten Kontakt zur Sowjetunion.

Stattdessen übermittelten Harnack und Schulze-Boysen Informationen an die USA. Doch sie begnügten sich nicht mit der Weitergabe von Codes. Die Gruppe verbreitete Flugblätter mit dem Ziel, den Glauben der Berliner Bevölkerung an den Nationalsozialismus zu erschüttern.

Zerschlagung und Hinrichtung

1942 begann die Gruppe auseinanderzubrechen. Deutsche Abwehrkräfte hatten es geschafft, Botschaften der Brüsseler Agenten zu entschlüsseln. Es kam zu zahlreichen Festnahmen. Arvid Harnack wurde fortan rund um die Uhr überwacht.

Schließlich wurden er, Schulze-Boysen und ihre Ehefrauen verhaftet. Die restlichen Mitglieder der Berliner Gruppe folgten kurz darauf. Viele wurden brutal gefoltert und später öffentlich erhängt. Die Mehrheit der Berliner „Roten Kapelle“ wurde systematisch eliminiert.

Und dennoch: Die Antifaschisten bewahrten ihren Mut und verrieten ihre Kameraden nicht.

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