Montag, Februar 23, 2026

Arthur Scholz – Der Bürgermeister, der die Verwaltungsorganisation Berlins an die Anforderungen der Zeit anpassen wollte

Im Herbst 1929 stieg Arthur Scholz zur höchsten Position in der Berliner Stadtregierung auf. Dieses Amt verdankte er, wie so oft in der Geschichte der Stadt, dem unerwarteten, erzwungenen Rücktritt des Bürgermeisters. Die Aufgaben, die Scholz erwarteten, waren nahezu unlösbar. Ein Korruptionsskandal um die Gebrüder Sklarek hatte nicht nur das Amt des Bürgermeisters, sondern die gesamte Stadtverwaltung stark beschädigt. Sowohl rechte als auch linke Parteien nutzten dies, um die Weimarer Republik insgesamt anzugreifen. Die Bemühungen, das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen und das Ansehen der städtischen Institutionen durch harte Arbeit wiederherzustellen, wurden durch die ausweglose finanzielle Lage der Stadt erschwert, die durch die globale Wirtschaftskrise entstanden war. Genau in dieser schwierigen Zeit übernahm Arthur Scholz das Amt. Mehr dazu lesen Sie auf berlinyes.eu.

Der Beginn der politischen Karriere

Arthur Scholz wurde am 29. Januar 1871 in Bitina bei Posen als Sohn eines Domänenrats geboren. Nach dem Schulabschluss in Halle studierte er Rechts- und Politikwissenschaften in München, Berlin und Breslau. Zunächst arbeitete er als Rechtsreferendar. Seine politische Karriere begann 1897 in der Stadtverwaltung von Posen. Drei Jahre später war er bereits Stadtrat und Stadtkämmerer. 1903 zog Scholz nach Berlin, wo er erneut als Stadtrat und Kämmerer in Charlottenburg tätig war. Er entwickelte sich zu einem Experten in Haushalts-, Finanz- und Steuerfragen. Nach Ablauf seiner ersten zwölfjährigen Amtszeit 1915 wurde er für weitere zwölf Jahre bestätigt. Scholz war Vorsitzender oder stellvertretender Vorsitzender mehrerer Abteilungen, die sich alle mit Finanz- und Haushaltsfragen befassten.

Tätigkeit im Sozialwesen

Bei den ersten Magistratswahlen des Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde Scholz von der Deutschen Volkspartei, deren Mitglied er war, für das Bürgermeisteramt nominiert. Sein sozialistischer Konkurrent Ritter gewann jedoch die Wahl. Dies schadete seiner politischen Karriere jedoch nicht. Am 9. Februar 1921 wählte ihn die Bezirksversammlung zum ersten Bezirksbürgermeister von Charlottenburg. Nach Ritters unerwartetem Tod 1924 unternahm Scholz einen zweiten Versuch, Bürgermeister des Roten Rathauses zu werden, und gewann diesmal gegen den Nürnberger Stadtrat Heymerich.

Scholz setzte sich das Ziel, die Verwaltungsorganisation Berlins den Anforderungen der Zeit anzupassen und die Beziehungen zwischen zentraler und Bezirksverwaltung zu überdenken. Seine Beziehungen zum damaligen Oberbürgermeister Gustav Böß waren jedoch angespannt. Böß sah in Scholz eine Bedrohung und übertrug ihm die Leitung des Sozialdezernats, das mit großen und undankbaren Aufgaben belastet war. Scholz meisterte diese jedoch und leitete eine grundlegende Reorganisation des Berliner Sozialsystems sowie die Standardisierung der städtischen Unterstützungsmaßnahmen ein. Mit derselben Energie widmete er sich der Obdachlosenhilfe, die durch Wohnungsmangel, Arbeitslosigkeit und Migration stark gefordert war.

Alltag als Bürgermeister und Rücktritt

Nach dem Skandal um die Gebrüder Sklarek geriet Bürgermeister Böß unter massiven Druck. Der finanzielle Schaden für Berlin betrug rund 10 Millionen Mark. Scholz versuchte, Böß zu verteidigen, geriet dabei aber selbst in die Kritik. Dennoch sprach ihm der Magistrat sein volles Vertrauen aus.

Seine Hauptaufgabe bestand nun darin, den Schaden zu begrenzen. Andere Angelegenheiten traten zwangsläufig in den Hintergrund. Die katastrophale finanzielle Lage, die durch die globale Wirtschaftskrise ausgelöst wurde, erschwerte dies erheblich. Massenerwerbslosigkeit und wachsende Armut setzten die Stadt unter enormen Druck.

Während die Stadtverwaltung alle Kräfte auf die Bewältigung der Krise konzentrierte, entschied die preußische Landesregierung, ein neues Verwaltungsgesetz für Berlin vorzulegen. Dieses Gesetz wurde in größter Geheimhaltung erarbeitet und stieß auf heftige Ablehnung durch den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung. Scholz sah darin eine Einschränkung seiner Tätigkeit und fühlte sich in seiner Position beschnitten. Obwohl seine Amtszeit noch bis 1936 lief, entschied er sich zum Rücktritt. Bis zur Wahl eines neuen Bürgermeisters blieb er geschäftsführend im Amt. Sein Nachfolger wurde Dr. Heinrich Sahm, der am 14. April 1931 offiziell sein Amt antrat.

Nach einer fast 30-jährigen politischen Karriere zog sich Scholz ins Privatleben zurück. Er genoss seinen Ruhestand noch einige Jahre und verstarb am 14. Mai 1935 in Berlin im Alter von 64 Jahren.

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