Er ist bekannt als bärtiger Aktivist, Bürgerrechtler in der DDR und als der „nackte Politiker“ der SPD. Der studierte Theologe und ehemalige Vikar, Thomas Krüger, leitet später die Bundeszentrale für politische Bildung. Über seine politische Karriere und sein Leben abseits der Politik, erfahren Sie mehr auf berlinyes.eu.
Der „nackte Politiker“

Thomas Krüger wurde 1959 in Buttstädt, Ostdeutschland, geboren. Er schloss eine Ausbildung als Facharbeiter für Kunststoff- und Elastverarbeitung ab, studierte anschließend Theologie – wie sein Vater – und wurde Vikar. Er spielte in unabhängigen Theatergruppen und besuchte die oppositionelle evangelische Kirche in der DDR. Regelmäßig nahm er an den Montagsdemonstrationen in Leipzig teil. Doch er verließ das Land nicht, denn Thomas Krüger wollte etwas verändern.
1994 erregte der junge Politiker erstmals großes Aufsehen – und das auf sehr extravagante Weise. Er posierte nackt auf einem Wahlplakat und warb für sich und die SPD mit dem Slogan „Ehrliche Haut“. Heute ist der Trubel um ihn abgeflaut, doch damals war er enorm. Wer hätte erwartet, dass der 35-jährige Thomas Krüger, damals Berliner Senator für Jugend und Familie, während der Bundestagswahlkampagne 1994 nackt posieren würde? Sein Ziel: in den Bundestag einziehen. Doch trotz des Medienrummels gelingt es ihm nicht, ein Direktmandat zu gewinnen. Er zieht über die Landesliste der SPD in den Bundestag ein. Das „nackte Plakat“ bleibt jedoch unvergessen und prägt sein Image nachhaltig.
Der Beginn der politischen Karriere

Seine politische Laufbahn begann jedoch früher. Während die DDR-Führung im Oktober 1989 das 40-jährige Bestehen der Republik feierte, gründete Thomas Krüger mit anderen Bürgerrechtlern eine neue Partei – die SDP. Ihre Ziele: Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Reisefreiheit. Mit anderen Worten: ein demokratischer Sozialismus, in dem sich die Bürger wohlfühlen. Einen Monat später fiel die Berliner Mauer.
1990 trat die SDP der westdeutschen SPD bei. Thomas Krüger wurde Stadtrat für Inneres in Ost-Berlin. Als ehemaliger Bürgerrechtler musste er durch alte Netzwerke arbeiten – eine große Herausforderung. 1991 wurde er Berliner Senator für Jugend und Familie, drei Jahre später zog er in den Bundestag ein.
Elternzeit und Rückkehr

1998 zog sich Krüger aus der Politik zurück, um sich um seine neugeborene Tochter zu kümmern. Doch bereits 2000 kehrte er zurück und übernahm die Leitung der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Diese Institution, die seit 1952 demokratische Werte in der Bundesrepublik fördert, entsprach genau seinem Anliegen: Interesse an Politik zu wecken. Als Präsident der bpb lebt Krüger seitdem zwischen Bonn und Berlin.
Thomas Krüger betont die Bedeutung des Grundgesetzes, insbesondere der Meinungsfreiheit. Für ihn ist politische Bildung ein Schlüsselelement, um Demokratie zu fördern und extremistischen Tendenzen entgegenzuwirken.
Thomas Krüger als Bürgermeister
Thomas Krüger war vom 11. bis 24. Januar 1991 kommissarischer Bürgermeister von Ost-Berlin. Er arbeitete mit Walter Momper zusammen und spielte eine Rolle im friedlichen Übergang nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Fall der Berliner Mauer.