Im Jahr 1872 war Friedrich von Kehler einer der Initiatoren der Gründung des Vereins Deutscher Katholiken. Er war langjähriges Mitglied des Verwaltungsrats der St. Hedwigs-Kathedrale und ab 1875 Vorsitzender des Kirchenrats. Außerdem war er Mitbegründer weiterer katholischer Vereinigungen in Berlin, darunter des Caritasverbands. Schließlich wurde Kehler Ehrenvorsitzender der Berliner katholischen Vereine. Er verstarb im Alter von 80 Jahren im Berliner St.-Hedwig-Krankenhaus.
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Akademischer Katholischer Leseverein

Friedrich Karl Albert Hermann von Kehler wurde am 1. Oktober 1820 in Berlin geboren. Seine Eltern waren der preußische Generalmajor Karl von Kehler und dessen zweite Frau Amalie Wilhelmine Friederike Juliane Marie Beate Gräfin von Schwerin. Der Abgeordnete Rudolf von Kehler war sein Bruder.
Kehler studierte von 1840 bis 1843 Rechtswissenschaften in Berlin und trat anschließend in den preußischen Verwaltungsdienst ein. Er stieg bis zum Legationsrat im Außenministerium auf. 1866 verließ er den Staatsdienst und wurde Verwalter des Gutsbesitzes von Fürst Boguslaw Radziwiłł.
1849 konvertierte Kehler in Köln vom Protestantismus zum Katholizismus. Anschließend engagierte er sich in katholischen Vereinigungen und wurde 1853/1854 Mitbegründer des Katholischen Lesevereins in Berlin (heute KStV Askania-Burgundia Berlin), einer Gründungsverbindung des KV. Die Vereinigung wurde in Berlin als Akademischer Katholischer Leseverein gegründet. Unter den Gründern waren Johann Friedrich Schulte und Elwin Bruno Christoffel, der später Professor für Mathematik wurde. Sie versammelten sich um den konvertierten, jungen und engagierten Legationssekretär Friedrich von Kehler.
Zentrum-Partei

Bald darauf, vor allem durch das Engagement von Georg von Hertling (später Reichskanzler), entwickelte sich der Leseverein zu einer katholischen Studentenverbindung. Während des Kulturkampfs wurde die Askania-Burgundia zu einem wichtigen Treffpunkt für katholische Studenten in Berlin.
Friedrich Karl Albert Hermann von Kehler spielte eine führende Rolle im katholischen Milieu der Stadt.
1870 war er Mitbegründer der Zentrumspartei und der katholischen Tageszeitung „Germania“. Ab 1872 war er Vorsitzender des Aufsichtsrats des Verlags „Germania“ und beeinflusste zeitweise die redaktionelle Arbeit.
Als deutscher Politiker der Zentrumspartei war Kehler Mitbegründer der Zentrumsfraktion im Preußischen Abgeordnetenhaus.

Parlamentarische Tätigkeit
Zwischen 1870 und 1898 war Kehler Mitglied des Parlaments. In dieser Funktion vertrat er zunächst den westpreußischen Wahlkreis Marienwerder 7 (Konitz – Schlochau) von 1870 bis 1873. Später vertrat er den Düsseldorfer Wahlkreis 4 (Stadt Düsseldorf und Umgebung) von 1873 bis 1876. Bei einer Nachwahl am 30. Mai 1877 wurde er für den Wahlkreis Köln 4 (Sieg – Mülheim am Rhein – Wipperfürth) in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt und blieb dort bis 1898.
Am 29. September 1871 wurde Kehler bei einer Nachwahl als Abgeordneter für Düsseldorf in den Reichstag gewählt. Später vertrat er den Wahlkreis 10 Mönchengladbach. Trotz seiner langen Mitgliedschaft im Reichstag nahm er nie an den Debatten teil. In Berlin war er Vorsitzender der Zentrumsorganisation.
Nach seinem Tod im Juli 1901 nannte der Delegierte des Fürstbischofs von Breslau, Prälat Karl Neuber, Kehler in einer Grabrede die „Verkörperung der Wohltätigkeit“. Sein Mitgefühl war der Öffentlichkeit bekannt. Der Journalist Fritz Ninkemper sagte am Grab, dass Friedrich von Kehler das verkörperte, was der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther über die Liebe schrieb.