Montag, Februar 23, 2026

Selbstverwaltung Berlins auf dem Weg zur ersten Million Einwohner

Der Beginn der Herrschaft Wilhelms I. als preußischer König war geprägt von dem Gefühl einer neuen Ära. Ein liberalerer Geist war auch im Stadtrat zu spüren. Für Berlin begann eine klassische Periode der kommunalen Selbstverwaltung, die gelegentlich Konflikte mit den preußischen Behörden beinhaltete. Ausdruck dieses bürgerlichen Selbstbewusstseins war nicht zuletzt der Bau des repräsentativen neuen Gebäudes, des „Roten Rathauses“. Mehr über diese Phase der Berliner Selbstverwaltung erfahren Sie auf berlinyes.eu.

Karl Theodor Seydel

Im Jahr 1862 leitete Karl Theodor Seydel, ein Mitglied der Fortschrittspartei, eine Reihe wichtiger Reformen in Berlin ein, als er Bürgermeister wurde. Seydel, geboren am 14. Juli 1812 in Minden und Schwiegersohn des Arztes und Politikers Rudolf Virchow, setzte sich intensiv für die Modernisierung Berlins ein. Unter seiner Führung wurde mit der Planung des Kanalisationssystems begonnen. Auch die Schaffung des Treptower Parks und des Humboldthains gehörte zu seinen Initiativen. Nachdem der erste Bauabschnitt abgeschlossen war, tagte der Magistrat unter Seydels Leitung 1865 erstmals im neuen Berliner Rathaus, und fünf Jahre später fand dort die erste Sitzung des Stadtparlaments statt.

Seydels Nachfolger, der das Amt des Bürgermeisters bis 1872 innehatte, wurde Arthur Hobrecht, der Bruder des Stadtplaners James Hobrecht, der seit 1862 den Entwicklungsplan für Berlin entwarf. Arthur Hobrecht, geboren am 14. August 1824 bei Danzig, gehörte der nationalliberalen Partei an und hatte bereits Erfahrung als Bürgermeister von Breslau gesammelt. Unter anderem setzte er sich für eine kommunale, nicht kirchliche oder staatliche Schulaufsicht ein und fand Unterstützung bei der liberalen Bürgerschaft. 1878 wurde er auf Einladung Bismarcks preußischer Finanzminister.

Max von Forckenbeck

Am 26. September 1878 wurde Max von Forckenbeck vom Stadtparlament zum politischen Leiter Berlins gewählt. Forckenbeck, geboren am 23. Oktober 1821 in Münster, war ein Liberaler und ein Gegner Bismarcks. Er gehörte zu den einflussreichsten Bürgermeistern Berlins. Von 1866 bis 1873 war er Präsident des Preußischen Abgeordnetenhauses, von 1874 bis 1879 Präsident des Reichstags und ab 1872 Bürgermeister von Breslau. Während seiner Amtszeit in Berlin widmete er sich unter anderem dem Ausbau des Schulsystems und sorgte dafür, dass zusätzlich zum protestantischen Religionsunterricht auch katholischer und jüdischer Religionsunterricht angeboten wurde. Ebenso setzte er sich für die Erweiterung des Straßennetzes und die Schaffung von Grünanlagen ein, darunter der Viktoriapark in Kreuzberg mit seinem zwischen 1888 und 1891 erbauten Wasserfall.

Robert Zelle

Forckenbecks Nachfolger wurde Robert Zelle, der zu diesem Zeitpunkt bereits 30 Jahre lang Mitglied des Magistrats war. Der Jurist Zelle, geboren am 18. September 1829 in Berlin, arbeitete als Journalist, galt als links-liberal und fand sich in der Fortschrittspartei wieder. Besonders widmete er sich der Sozialpolitik. Im März 1898 reichte er aus Altersgründen offiziell seinen Rücktritt ein.

Martin Kirschner

Die größte kommunale Herausforderung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb es, mit dem enormen Bevölkerungswachstum infolge der Industrialisierung zurechtzukommen. Im Jahr 1877 überschritt Berlin die Millionengrenze, und 1905 lebten dort bereits zwei Millionen Menschen. Eine der dringendsten Aufgaben war die Schaffung eines modernen Kanalisationssystems.

Am 23. Juni 1898 wählte der Berliner Stadtrat Martin Kirschner zum Nachfolger von Robert Zelle. Kirschner, ein Parteifreund seines Vorgängers und ebenfalls Jurist, wurde am 10. November 1842 in Freiburg geboren. Während seiner Amtszeit wurde die Verkehrsinfrastruktur weiter ausgebaut. Unter anderem wurde 1902 die erste Linie der Berliner U-Bahn feierlich eröffnet.

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