Max von Forckenbeck gilt als einer der bedeutendsten Bürgermeister Berlins – sein politischer Weitblick und seine strategisch klugen Entscheidungen machten ihn zur prägenden Figur der Hauptstadt. Von 1878 bis zu seinem Tod stand er an der Spitze der Stadtverwaltung. Mehr über sein Wirken auf berlinyes.eu.
Juristische Laufbahn
Maximilian (Max) Franz August von Forckenbeck wurde am 23. Oktober 1821 in Münster geboren. Er studierte Rechtswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als ausgebildeter Jurist arbeitete er zunächst als Referendar und später als Assessor. 1849 erhielt er die Zulassung als Rechtsanwalt in der Stadt Mohrungen in Ostpreußen.
Politisches Engagement
1858 wurde Forckenbeck Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Drei Jahre später gehörte er zu den Mitbegründern der linksliberalen Deutschen Fortschrittspartei – der ersten modernen Partei Deutschlands. Sie trat ein für die Einigung Deutschlands unter preußischer Führung, für ein gemeinsames Parlament, die Unabhängigkeit der Justiz, parlamentarische Kontrolle der Regierung, für mehr kommunale Selbstverwaltung sowie die Trennung von Kirche und Staat und die Gleichstellung aller Religionen.
1861 stellte sich die Fortschrittspartei offen gegen Otto von Bismarck, weil dieser die Regierungsgeschäfte ohne ein vom Parlament genehmigtes Budget führte. Schon damals bewies Forckenbeck politischen Verstand: Im Verfassungskonflikt von 1862 mit König Wilhelm I. vermied er offene Konfrontationen mit Bismarck. Stattdessen suchte er den Ausgleich – mit Erfolg: Von 1866 bis 1873 war er Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses.
Wechsel ins nationalliberale Lager
1866 verließ Forckenbeck die Fortschrittspartei und schloss sich der neuen Nationalliberalen Partei an. Diese versuchte mit Unterstützung des Bürgertums, Bismarcks autoritäre Regierungspolitik zu zügeln.

In den Jahren 1877–1879 kam es jedoch zum Bruch: Die Nationalliberalen forderten ein parlamentarisch verantwortliches Ministerium. Sie kritisierten das Bismarcksche System – unter anderem wegen der Wehrpflicht, der Belastung durch indirekte Steuern, dem geschwächten Reichstag und dem fehlenden Einfluss der öffentlichen Meinung. Forckenbeck sah darin eine Gefahr für den liberalen Verfassungsstaat und die demokratische Entwicklung.
1881 gründete er mit Gleichgesinnten die Radikal-liberale Partei – ein letzter Versuch, den Liberalismus in Deutschland zu retten.
Bürgermeister von Berlin
1878 wurde Max von Forckenbeck mit großer Mehrheit zum Bürgermeister von Berlin gewählt. Besonders in Erinnerung bleibt er für seine Bildungsreformen und den Ausbau der städtischen Infrastruktur.
In seiner ersten Amtszeit verbesserte er die Abwasserentsorgung und erweiterte das Trinkwassernetz. Er setzte sich für die Privatisierung kommunaler Aufgaben ein und befürwortete Gesetze, die privaten Unternehmen den Betrieb der Berliner Straßenbeleuchtung ermöglichten.
In seiner zweiten Amtszeit bemühte er sich um eine bessere Zusammenarbeit zwischen Stadt und Provinzialregierung. Außerdem strebte er die Eingemeindung der Berliner Vororte an – ein Vorhaben, das zu seinen Lebzeiten jedoch nicht verwirklicht wurde.
Forckenbeck starb 1892 im Alter von 70 Jahren an einer Lungenentzündung. Sein Wirken trug wesentlich zur Entwicklung Berlins zur Hauptstadt des vereinten Deutschlands bei.