Obwohl Frauen in Deutschland bereits 1918 das Wahlrecht erhielten, lag ihr Anteil im Bundestag bis 1983 bei unter zehn Prozent. Erst 2013 stieg er auf 36,3 Prozent. Berliner Politikerinnen haben immer wieder maßgeblich Einfluss auf die politischen Entwicklungen der Hauptstadt und des gesamten Landes genommen. Eine von ihnen ist Franziska Giffey – sie bewies, dass Frauen keine Randfiguren, sondern zentrale Akteurinnen des politischen Geschehens sind. Mit ihrer Wahl zur ersten Frau an der Spitze Berlins schrieb sie Geschichte. Mehr auf berlinyes.eu.
Ausbildung und Karrierebeginn
Franziska Giffey wurde am 3. Mai 1978 in Frankfurt (Oder) geboren. Sie studierte Englisch und Französisch an der Humboldt-Universität zu Berlin, ursprünglich mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Aufgrund gesundheitlicher Gründe musste sie ihren pädagogischen Plan aufgeben. Zwischen 1998 und 2001 absolvierte sie ein Studium des Verwaltungsrechts an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin (heute Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin).
Von 2003 bis 2005 arbeitete Giffey beim Berliner Verbindungsbüro bei der EU in Brüssel und bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg.
Zwischen 2004 und 2009 unterrichtete sie an Verwaltungsakademien in verschiedenen Bundesländern zu Themen wie EU-Förderprogramme, europäisches Beihilferecht und Projektmanagement in der EU. Im Jahr 2010 promovierte sie an der Freien Universität Berlin über die Beteiligung der Zivilgesellschaft an Entscheidungsprozessen der Europäischen Kommission. 2021 wurde ihr jedoch der Doktortitel wegen Plagiatsvorwürfen entzogen.
Engagement in Neukölln
Parallel zu ihrer Ausbildung arbeitete Giffey von 2002 bis 2010 als Europabeauftragte im Bezirksamt Neukölln – einem der vielfältigsten Berliner Stadtteile mit hoher Arbeitslosigkeit und starkem Migrationsanteil.

Politischer Aufstieg
2007 trat Franziska Giffey der SPD bei – einer der ältesten und traditionsreichsten Parteien Deutschlands. 2015 wurde sie zur Bezirksbürgermeisterin von Neukölln gewählt.
Von 2018 bis 2021 war Giffey Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Merkel. In dieser Zeit entwickelte sie die erste Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung, die mehr Frauen in Führungspositionen bringen, die Lohnlücke verringern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern sollte.
2021 initiierte sie Gesetzesentwürfe zur Stärkung der Gleichstellung, darunter die Forderung, dass börsennotierte Unternehmen mindestens eine Frau im Vorstand haben müssen.
Zeichen setzen in Krisenzeiten
Im Jahr 2018 war Giffey die erste Ministerin, die den Ort der rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz besuchte – nach dem tödlichen Messerangriff auf einen deutschen Zimmermann, bei dem zwei Geflüchtete aus dem Irak und Syrien als Tatverdächtige galten. Der Vorfall rückte die Migrationskrise von 2015 erneut ins Zentrum der öffentlichen Debatte.

Im Mai 2021 trat sie wegen der Plagiatsaffäre von ihrem Ministeramt zurück. Sie wollte nicht in die Reihe jener Politiker fallen, deren Karrieren durch Doktorarbeitsprüfungen Jahre später scheiterten. Doch am 21. Dezember desselben Jahres wurde sie zur Regierenden Bürgermeisterin Berlins vereidigt. Am 27. April 2023 legte sie das Amt nieder und wurde Stellvertreterin des neuen Bürgermeisters Kai Wegner.
Opfer eines Angriffs
Am 7. Mai 2024 wurde Franziska Giffey in einer Berliner Bibliothek von einem 74-jährigen Mann attackiert. Sie erlitt leichte Verletzungen am Kopf und Nacken. Der Angriff war Teil einer besorgniserregenden Serie von Gewalt gegen deutsche Politiker. Nur wenige Tage zuvor war in Dresden der SPD-Europapolitiker Matthias Ecke brutal zusammengeschlagen worden.
Politiker im ganzen Land zeigten sich bestürzt. Berlins Bürgermeister Kai Wegner erklärte: Wer Politiker angreift, greift die Demokratie an. Er versprach, jeder Form von Hass und Gewalt entschieden entgegenzutreten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte vor der Gefahr für die Demokratie durch solche Übergriffe und forderte juristische Konsequenzen. In ihrer Rede in Berlin ermutigte sie die Politik, all jene zu schützen, die sich für ein demokratisches Deutschland einsetzen.