Margarete Friedenthal, eine Berliner Aktivistin für Frauenrechte, wurde am 9. Juni 1871 in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie geboren. Als älteste Tochter erhielt sie keine formale Berufsausbildung, engagierte sich jedoch ehrenamtlich in Mädchen- und Frauengruppen, die sich der Sozialarbeit widmeten. Diese Gruppen wuchsen schnell und entsandten bald eine stetige Zahl von Freiwilligen in Krankenhäuser und Kindergärten. Fortbildungskurse und regelmäßige Vorträge zu sozialen Themen wurden organisiert. Mehr über die Tätigkeit von Margarete Friedenthal lesen Sie auf berlinyes.eu.
Beginn der öffentlichen Karriere

Margarete Friedenthal übernahm bald größere Verantwortung. Sie leitete die Freiwilligenabteilung sowie die Verwaltung eines Kindergartens und einer Einrichtung für Nachmittagsbetreuung.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeichnete sich die Spaltung der Frauenbewegung in eine „gemäßigte“ Mehrheit und eine „radikale“ Minderheit erst ab. Minna Cauer gründete zusammen mit Kolleginnen die „Vereinigung Fortschrittlicher Frauenvereine“, die sich als Opposition zum fünf Jahre zuvor gegründeten „Bund Deutscher Frauenvereine“ verstand.
Friedenthal unterhielt gute Kontakte zu beiden Organisationen. Seit 1900 war sie Mitglied und ab 1905 Vorsitzende der „Kommission zum Schutz der Arbeiterinnen“. Seit 1903 leitete sie zudem die „Zentralstelle der Arbeiterorganisation“. Beide Komitees untersuchten die Arbeitsbedingungen von Fabrik- und Heimarbeiterinnen und boten praktische Unterstützung bei der Gründung von Unterstützungsfonds und Beratungsstellen.
Radikale und Gemäßigte

Diese doppelte Einbindung führte dazu, dass sie von manchen als zu gemäßigt und von anderen als zu radikal angesehen wurde. Doch Margarete bemühte sich stets um eine Balance zwischen beiden Richtungen. 1906 nahm sie an der ersten Berliner Ausstellung für Heimarbeit als Delegierte der radikalen Gruppe teil, während Alice Salomon die „Gemäßigten“ repräsentierte. Diese Ausstellung wurde gemeinsam von bürgerlichen Sozialreformern und Gewerkschaften organisiert.
1907 gelang es Margarete Friedenthal schließlich, beide Vereinigungen und andere Akteure zu vereinen, um die erste übergreifende „Konferenz zur Förderung der Arbeiterinteressen“ zu organisieren. Sozialistische und sozialdemokratische Frauen wurden eingeladen. Öffentlich hielten Vertreterinnen der verschiedenen Strömungen Abstand voneinander, teils aufgrund von Kritik an Friedenthals Nähe zu den liberalen Gewerkschaften.
Berliner Stadtverordnetenversammlung

Abseits der Öffentlichkeit waren sie jedoch bereit, zusammenzuarbeiten – wenn auch nicht ohne Konflikte. Das Ergebnis der Konferenz war der „Ständige Ausschuss zur Förderung der Arbeiterinteressen“, dessen Leitung ebenfalls Friedenthal übernahm.
Sie wollte eine Organisation schaffen, die keinem bestimmten Flügel der Frauenbewegung zugeordnet werden konnte. Margarete Friedenthal strebte Integration an.
Innerhalb der Frauenbewegung strebte Friedenthal nie nach öffentlicher Aufmerksamkeit. Doch ihre Tätigkeiten waren zahlreich. Neben ihren verschiedenen Vorsitzendenrollen in Arbeiterkommissionen war sie auch Vorsitzende der Octavia-Hill-Vereinigung. Mehrere Jahre war sie im Vorstand der „Hilfe für Frauen“-Vereinigung, in Mädchen- und Frauengruppen der sozialen Hilfe sowie in der Berliner Ortsgruppe berufstätiger Mädchen und Frauen aktiv. Nach Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen war Margarete von 1919 bis 1928 liberale Stadtverordnete in Berlin. In dieser Funktion setzte sie sich besonders für den Jugendschutz ein.
Ihre enge persönliche und berufliche Beziehung zur Gründerin und Vorsitzenden der Berliner Abteilung, Anna Pappritz, hielt fast vierzig Jahre bis zu Annas Tod.