Berlin hat viele Sehenswürdigkeiten mit faszinierender Geschichte – doch das Rote Rathaus am Alexanderplatz zählt zu den prägnantesten Wahrzeichen der Hauptstadt. In unmittelbarer Nähe zur ältesten Kirche Berlins, der Marienkirche, zieht der monumentale Bau alle Blicke auf sich. Seinen Namen verdankt das Rathaus der markanten roten Fassade aus Klinkerstein, typisch für die norddeutsche Architektur. Seit Oktober 1991 ist es auch wieder Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters sowie Tagungsort des Berliner Senats. Mehr auf berlinyes.eu.
Die Entstehung des Roten Rathauses

Errichtet wurde das Gebäude 1869 – zu einer Zeit, als Berlin Hauptstadt des Königreichs Preußen und später des Deutschen Kaiserreichs war. Fast acht Jahre dauerte der Bau, an der Stelle des einstigen Berliner Rathauses. Der Entwurf stammte vom Architekten Hermann Friedrich Waesemann, der die anspruchsvolle Aufgabe erhielt, ein würdiges und repräsentatives Gebäude für eine aufstrebende Hauptstadt zu schaffen. Er kombinierte Elemente der Neorenaissance mit neugotischen Formen und setzte auf unglasierte rote Ziegel, die sofort ins Auge fielen.
Architektonische Besonderheiten

Das Ergebnis war ein imposanter Bau, der sich dennoch harmonisch in das Stadtbild einfügte. Mit 100 Metern Länge und 90 Metern Breite war das Rathaus jedoch so groß, dass mehrere alte Gebäude im Bezirk Mitte weichen mussten. Die dreigeschossige Fassade wird von einem umlaufenden Terrakottafries geschmückt, der historische Szenen aus Berlins Geschichte zeigt. Überragt wird der Bau von einem 74 Meter hohen, quadratischen Turm, der dem Rathaus sein charakteristisches Erscheinungsbild verleiht. Waesemann ließ sich dabei von einem Turm der Kathedrale Notre-Dame in Laon inspirieren.
Im oberen Bereich befindet sich die Hauptuhr der Hauptstadt, begleitet von zwei Glocken – die große auf dem Ton „D“, die kleine auf „G“. Auf dem Dach thronen acht Bären aus Sandstein, je drei Meter hoch, geschaffen vom Bildhauer Wilhelm Wolff. Die Tiere sind ein Symbol für das Herrschergeschlecht der Askanier, das seit dem 11. Jahrhundert in Sachsen ansässig war. Im Inneren öffnen sich drei Innenhöfe, umrahmt von vier Flügeln.
Das Rathaus im 20. Jahrhundert
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Rote Rathaus schwer beschädigt. Der Wiederaufbau begann 1951 unter der Leitung von Architekt Fritz Meinhardt und dauerte bis 1958. In der DDR diente das Gebäude als Sitz des Magistrats von Ost-Berlin. So erhielt der Begriff „Rotes Rathaus“ auch eine politische Bedeutung.
Der Magistrat von West-Berlin zog ins Rathaus Schöneberg um. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Rote Rathaus 1991 wieder zum offiziellen Amtssitz. Zwischen 2005 und 2010 erfolgte eine umfassende Sanierung. Das Ergebnis: ein architektonisches Juwel, auf das viele Berliner stolz sind.
Feine Details der Sanierung

Bereits 1995 wurden erste Maßnahmen zur Neugestaltung des Umfelds abgeschlossen. Vor dem Eingang installierte man zwei Statuen von Fritz Cremer, einem Künstler aus Ost-Berlin – „Aufbauhelfer“ und „Aufbauhelferin“. Auf der Mittelachse vor dem Rathaus wurde der Neptunbrunnen aufgestellt – ein Werk im neobarocken Stil mit Bronzefiguren von Reinhold Begas, an dem er fünf Jahre arbeitete.
Ursprünglich stand der Brunnen vor dem Berliner Stadtschloss, wurde jedoch 1969 vor das Rote Rathaus versetzt. Im Zentrum thront Neptun, umgeben von vier Frauen, die die wichtigsten Flüsse Preußens symbolisieren: Rhein, Elbe, Oder und Weichsel. Rund um den Brunnen entstand später ein schöner Park, der das Ensemble abrundet.
Die wichtigsten Säle des Rathauses

Trotz reger Verwaltungstätigkeit sind einige Bereiche des Rathauses öffentlich zugänglich. Über 80.000 Gäste besuchen jährlich das Gebäude, in dem Ausstellungen, Empfänge und Festakte stattfinden. Insgesamt gibt es über 247 Räume, von denen Touristen nur die bedeutendsten sehen.
Ein Highlight ist der Wappensaal, wo früher die Stadtverordnetenversammlung tagte. Die Fenster zeigen die Wappen aller Berliner Bezirke. Hier finden heute offizielle Empfänge für Staatsgäste statt. Großveranstaltungen werden im Großen Festsaal abgehalten – einst Tagungsort der Ost-Berliner Stadtregierung.
Die schönste Halle

Als besonders eindrucksvoll gilt der Säulensaal – einst eine Bibliothek, heute ein Ort für kulturelle Veranstaltungen. Im dritten Stock befinden sich zwei Säle zu Ehren der Nachkriegspolitiker Luise Schröder und Ferdinand Friedensburg, die ebenfalls für Konferenzen und Feiern genutzt werden können. In den Fluren hängen Porträts aller Ehrenbürger Berlins, gemalt vom Künstler Rolf Dübner.
Ein Blick ins Büro des Bürgermeisters?

Auch das ist möglich – allerdings nur zweimal im Jahr, im Januar und August, während der „Langen Nacht der Museen“. Das Büro besticht durch Eleganz und Understatement: ein massiver Schreibtisch, ein schlichtes Bücherregal, wertvolle Präsente, ein kleiner Teetisch und lederne Sitzgelegenheiten.
Die Besucher zeigen sich oft begeistert von der feinen Atmosphäre des Rathauses: rote Teppiche, weiß-goldene Säulen, warme Wandfarben und eine sanfte Beleuchtung schaffen eine eindrucksvolle Szenerie. Wer die Werte und Geschichte der Berlinerinnen und Berliner verstehen will, sollte dieses Haus besuchen. Kein Wunder, dass 2021 sogar eine eigene U-Bahn-Station „Rotes Rathaus“ eröffnet wurde.